Vor 10 Jahren begann sich Nordic Walking zum Breitensport zu etablieren und was mal in den 30er Jahren als Stocklauf begann wurde dank neuer Stöcke und Konzept zu einem Riesenerfolg, zumindest zeitweilig. Von Finnland aus begann der Siegeszug und machte auch vor Deutschland nicht halt, ganz im Gegenteil, denn schnell hatte man das Gefühl in einem Nordic Walking Land zu sein und so schätzte man, dass es bis zu 10 Millionen Nordic Walker geben könnte. Dennoch war dieser vermeintliche Anfangserfolg nur eine heiße Welle die irgendwann abkühlte.
Fragt man mich heute ob Nordic Walking etwas bewegt hat, so kann ich mit einem eindeutigen „Ja“ antworten. Eines der wichtigsten Elemente ist dabei, dass bei vielen das Interesse für Sport geweckt wurde und dies nicht zuletzt, weil die Medien und Krankenkassen immer wieder betonten, dass Gesundheit und Bewegung eine wichtige Einheit bilden. Dabei ist die Bandbreite sehr groß und reicht vom Sport für Einsteiger über Leistungssport bis hin zum Gesundheitssport in Reha-Zentren. Diese Vielseitigkeit bietet keine andere Sportart und vor allem nicht bei diesem geringen Verletzungsrisiko, einzig Schwimmen und Skilanglauf kommen da noch in Frage. Aber Nordic Walking kann man quasi immer und überall machen und es scheint keine Grenzen zu geben außer dem inneren Schweinehund. Dabei wirkte das nicht nur auf die eine Sportart sondern es gab ganz unterschiedliche Möglichkeiten. Einige fingen mit Nordic Walking an und gingen zum joggen über, andere suchten sich passende Sportarten in ihrer Nähe.
Aber wie kann es sein, dass eine so gesunde Sportart nach einer kurzen Trendsportphase so Zwiespältig gesehen wird? Wie kommt es das der prophezeite neue Volkssport bei weitem nicht das geworden ist, was man sich erwartet hat? Liegt es am Nordic Walking oder an dem was man daraus gemacht hat?
Eines muss betont werden und wurde vor allem von den Medien und Krankenkassen unterstrichen, dass Nordic Walking eine unglaublich gesunde Sportart für fast alle Personen ist, besonders mit der richtigen Technik. Aber was man so unterwegs sah, war oft weit davon entfernt Nordic Walking genannt zu werden und so wurde man immer stärker zum spöttischen Mittelpunkt bei anderen Sportlern bis hin zum Karneval. Hausfrauenwalking und Nordic Talking waren da noch die kleinsten Kraftausdrücke und tatsächlich nicht unverdient. Ich habe es selbst erlebt und Aldi Stöcke in Kombination mit Gesprächsthemen wie Haarspray und Blaubeerkuchen reichen eben nicht aus um dies mit Nordic Walking zu bezeichnen. Dennoch sei gesagt, es sind auch diejenigen die nie Joggen oder irgendeinen Leistungssport betreiben würden, aber sie machen etwas das viele eben nicht mehr tun, sie bewegen sich regelmäßig.
Anfänglich sorgten die Sportgeschäfte, die eine gute Chance für Nordic Walking sahen und die Medien für die rasche Verbreitung und so wuchs auch der Bekanntheitsgrad von Nordic Walking. Einen weiteren Schub verursachte ausgerechnet Aldi und danach auch die anderen Discounter, welche Stöcke zu preisen um die 15,00 € anboten und diese gingen weg wie warme Semmeln und ich kann mich noch gut an einige Artikel im Forum erinnern, wo die Trainer nicht gerade amüsiert waren über Kursteilnehmer mit Aldi Stöcken, weil man denen erklären musste, dass diese die Technik gar nicht unterstützen. Mit dem überschwemmen des Marktes war es dann kaum noch möglich eine Flächendeckende gute Technik zu etablieren. Viele gingen los im „Do it yourself“ verfahren und nutzen wohl bis heute nur einen Bruchteil der gesunden Vorteile.
Lesen Sie im zweiten Teil:
Gesundheit und Bewegung gehören zusammen, dasselbe gilt für Stöcke und Technik. Wie das genau zusammen spielt und warum das gesund ist, kommt im zweiten Teil.