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Ein Bericht von ArnoldK - NW Trainer am Vogelsberg: www.nordic-walking-kircher.de
Einmal um den Vogelsberg „Der 1. Tag“
Am 16. Juli starteten Andre und ich unsere lang geplante Tour auf dem Vulkanring. Nach ausgiebigem studieren der Karte, und Festlegen der Etappenziele ging es morgens um 8.30 Uhr von Crainfeld aus los. Auf den ersten Metern schaute uns ein alter Bauer nach und fragte: „Na, wo wollt ihr denn hin?“ Nachdem wir ihm unseren Plan erzählten lächelte er und wünschte uns viel Spaß, nicht ohne ungläubig seinen Kopf zu schütteln. Nach ca. 1 Kilometer kamen wir auf den Vulkanring. Hier ging es nun dem VV folgend in Richtung Ulrichstein. Ulrichstein hatten wir zu unserem ersten Etappenziel gewählt, und hier wollten wir am Abend ankommen. Über eine Teerstrasse gelangten wir ins Grebenhainer Feld, und von hier ging es auf landwirtschaftlich genutzten, geschotterten Feldwegen in Richtung Ilbeshausen. Vorbei an staunenden Kühen, über scheinbar unberührte Bachläufe und ausgetretene Trampelpfade machten wir unsere erste Rast am Teufelsstein in Hochwaldhausen. Hier soll der Sage nach der Teufel mit einigen Bauern aus dem nahe gelegenen Ilbeshausen gespielt haben. Nachdem sich die Bauern sicher waren, dem Teufel sein gesamtes Hab und Gut abgewonnen zu haben, wendete sich das Blatt und der Teufel gewann ein Spiel nach dem Anderen. Es ging so weit, dass der Teufel am Ende die Bauern um deren Höfe gebracht hatte. Als er aufstand, um zu gehen bemerkten die Bauern einen Schwefelgeruch und sahen, dass der Fremde einen Pferdefuß hatte. Vor Wut schlug einer der Beiden so hart auf den Tisch, dass man heute noch ein Loch in der Steinplatte sehen kann. Aber auch an der Seite an der der Teufel saß, kann man ein Loch sehen, weshalb die Vermutung nicht fern lag, dass der Teufel eventuell betrogen haben könnte. Weiter, vorbei an den Uhuklippen und dem Pflanzgartenhäuschen, ging es in Richtung Lanzenhain. Kurz vor Lanzenhain, im Wald kamen wir an den nächsten sagenträchtigen Stein. Der Hexenstein. Ihn ließen wir links liegen um vorbei am Burgfried, einem weiteren Felsengebilde, unsere Tour fort zu setzen. Aus dem Wald heraus merkten wir die sehr warmen Strahlen der Sonne. Die hohen Temperaturen sorgten neben Durst, auch für unangenehme Begleiter. Die Bremsen. Sie waren in großen Scharen hinter uns her. Glücklicherweise bekamen wir kaum einen Biss ab. Am Lanzenhainer Weiher angekommen genoss Shela, unsere Begleiterin für den ersten Tag, eine Abkühlung im Wasser. Immerhin waren wir nun schon 15 Kilometer unterwegs. Unsere Mittagsrast war noch etwa 5 Kilometer von uns entfernt. Also beschlossen wir unseren Weg nach einer kurzen Pause weiter zu gehen. Nicht ohne vorher noch einmal ein Foto zu machen. Weiter ging es durch die Allee zwischen Lanzenhain und Herbstein. Ein wunderschöner, mit feinem Kies befestigter Weg der durch Linden und Pappeln fast 1 Kilometer weit von Lanzenhain nach Herbstein führt.
Und dann kamen wir an unserem Mittagsrastplatz an. Ein frischer Kaffee und eine Kraftsuppe sorgten neben unseren selbst gemachten Broten für eine Stärkung, die wir auf unserem weiteren Weg sicher noch gut brauchen konnten. Nach den ersten 20 Kilometern hatten wir schon einige Höhenmeter gut gemacht, und wir wussten dass es nach Ulrichstein noch ein steiler Weg werden würde. Auch Shela unsere weibliche Begleiterin gönnte sich etwas Ruhe in der Sonne von Herbstein. Nach ca. einer halben Stunde machten wir uns gut gestärkt auf unseren Weg, um das erste Etappenziel Ulrichstein zu erreichen. Vom Kolping Feriendorf ging es durch den Kapellenwald weiter. An den Schalksbachteichen gingen wir, die Haubentaucher und Blesshühner beobachtend, vorbei. Am gegenüberliegenden Ufer wartete ein Fischreiher auf fette Beute. Die beiden künstlich angelegten Seen bieten vielen Tieren Lebensraum und stehen unter Naturschutz. Bis vor wenigen Jahren wimmelte es hier noch von Badegästen. Glücklicherweise ist dies heute nicht mehr der Fall. Denn hier scheint die Welt wieder etwas in Ordnung zu kommen. Der nächste Ort, den wir streiften war Hopfmannsfeld. Nach 90 Minuten war es Zeit für einen Schluck Wasser unter dem Galgen. Hier hat in früheren Zeiten so mancher Bösewicht sein Leben gelassen. Aber nicht nur Gestorben wurde hier, nein auch im Angesicht des Todes wurde hier noch betrogen.
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So stand in einer (leider von irgendwelchen Halbstarken zertrümmerten) Schautafel zu lesen, dass ein besonders schlauer Halunke, die damals üblichen 100 Gulden, die so eine Hinrichtung kostete sparen wollte. Er ging zum Henker und merkte, das dieser wegen Streitigkeiten mit dem Gericht nicht seiner Arbeit nachkam. Also verabschiedete sich der Delinquent mit dem Hinweis sich am nächsten Galgen hängen zu lassen. Das Geld nehme er natürlich mit, um auch ganz sicher gehängt zu werden. Am anderen Galgen ist er jedoch nie angekommen. Unser Weg setzte sich fort. Vorbei an Hörgenau ließen wir Engelrod links liegen und gingen weiter in Richtung Meiches. So langsam aber sicher gingen unsere Trinkvorräte zur Neige. Nur noch wenige Schlücke blieben uns bis wir in den nächsten Ort kamen. Vorher machten wir noch eine Rast am „Totenköppel“ in Meiches. Hier beratschlagten wir, ob wir runter nach Meiches gehen, und uns Wasser kaufen, oder noch bis zum nächsten Ort gehen, um uns dort Wasser zu besorgen. Der nächste Ort hieß Helpershain, und so machten uns auf den Weg dorthin. In Helpershain angekommen, begegnete uns ein Pärchen, welches uns mitteilte, dass es in Helpershain schon seit Jahren kein Geschäft mehr gibt. Es gäbe jedoch eine Gaststätte, und dies gefiel uns auch ganz gut. Vor der Gaststätte angekommen, freuten wir uns schon auf ein kühles Getränk. Leider öffnete uns niemand. Irgendjemand arbeitete im Hausinneren so laut mit Geschirr und Besteck, dass er unser Klopfen einfach nicht hörte. Gegenüber am Eingang einer weiteren Gaststätte hing ein Schild, dass die Gaststätte wegen Krankheit geschlossen sei. Also, weiter gehen, und auf Unterstützung der Dorfbewohner hoffen. Aber wie es in solchen Fällen oft ist. Niemand war zu sehen auf der Strasse. Also weiter gehen. Am Ende des Dorfes machten wir beim letzten Hof halt und hofften auf etwas Wasser. Dieses bekamen wir auch. Hier erfuhren wir dass der Wirt schon vor einem Jahr gestorben sei. Kein Wunder, dass man uns nichts geben konnte. Mit gefüllten Wasserflaschen ging es weiter nach Ulrichstein. Nach einer langen Steigung und 5 Kilometer vor unserem Etappenziel erwischte uns ein heftiger Regenschauer. Bis auf die Haut nass liefen wir im Regen weiter. Gegen 17.30 erreichten wir erleichtert unser erstes Etappenziel.
Der 2. Tag:
Der nächste Tag begann mit schönem Wetter. Um 9.30 Uhr verließen wir Ulrichstein. Wir hatten uns eine zusätzliche Karte besorgt und gingen nun am Karussell, welches für den Johannismarkt aufgebaut war vorbei in Richtung Kölzenhain. Vorbei an einigen Höfen und ging es weiter in Richtung Laubach. Laubach sollte unser Mittagsziel werden. Was wir am ersten Tag bergauf liefen, mussten wir nun bergab gehen. Nur eine einzige heftige Steigung kurz hinter Kölzenhain, und dann ging es bergab. Herrliche Landschaft und wunderbares Laufwetter begleitete uns. Shela hatten wir heute nicht mit auf unseren Weg genommen. Sie durfte Zuhause bleiben. Leider gab es erst einmal wenige Waldwege die wir gehen konnten. Dafür gab es sehr schöne Wiesenwege, die uns bis zum Petershainer Hof führten. Hier machten wir unsere Rast und stärkten uns. Der Petershainer Hof wirkte ziemlich verlassen. Es ist nicht vorstellbar, dass man sich hier zwei Jahre vor der Reise anmelden muss, um eine Übernachtungsmöglichkeit zu bekommen. 20 Minuten Pause und dann ging es weiter. Es war ein komisches Gefühl in meinen Oberschenkeln, und auch Andre bemerkte, dass seine Waden nach einer Pause irgendwie erst wieder in Schwung kommen mussten. Ähnlich ging es meinen Oberschenkeln. Nachdem wir 300-400 Meter gegangen waren, waren die komischen Gefühle in den Beinen weg, und wir liefen weiter als ob wir nie etwas anderes gemacht hätten. Gegen 11.30 Uhr erreichten wir die Schreinersmühle bei Freienseen. Was uns gestern auf unserer 1. Etappe versagt blieb, erwartete uns nach etwa 11 Kilometern.
Wir kamen an einer wunderschön gelegenen und sogar offenen Gaststätte mitten im Wald vorbei. Eine kurze Überlegung und dann stand fest, wir sind ja nicht auf der Flucht, „komm, lass uns einkehren“. Ein schönes kühles alkoholfreies Weizen und auch ein frischer Cappuccino, brachten uns in die richtige Stimmung zum weitergehen. Hier hätten wir es noch lange Aushalten können. Aber wir wollten auch nicht zu spät in Laubach ankommen. Also verließen wir unseren gemütlichen Zwischenstopp und zogen weiter in Richtung Freienseen. Das Dorf schien in einer Art Mittagsruhe zu liegen. Einzig ein Bauer war auf dem Feld zu sehen. Er lief hinter einem uralten MC -Cormick her und ich fühlte mich irgendwie wie in einem Film aus längst vergangenen Tagen. Es war Nostalgie pur, die mich beschlich. Aber der nächste Anstieg holte mich schnell wieder aus meiner Tagträumerei. Immer weiter gingen wir bergan, um unserem eigentlichen Etappenziel Schotten Rainrod näher zu kommen. Vorher jedoch trafen wir in Laubach ein. Es war mittlerweile 14.30 Uhr geworden. Das letzte Stück nach Laubach führte uns über eine Streuobstwiese und durch den Schlosspark bis direkt vor das Schloss. Die historische Altstadt von Laubach ist wirklich sehr sehenswert. Das Schloss beherbergt eine Musikakademie und ist gut erhalten. Im Schlosshof finden regelmäßig Konzerte und Auftritte statt. In dieser Kulisse wirkt ein klassisches Konzert sicher noch klassischer, als es eh schon klingt. Auf dem nahe gelegenen Marktplatz war zu unserem freudigen Erstaunen auch gerade Markt. Wir schauten dem Treiben zu und ließen uns eine Tasse Cappuccino schmecken. Der Markt war gut besucht und wir erkannten sogar den roten Caddy eines Bäckers aus dem Nachbarort. Wir genossen die romantische Situation. Kein Stress, einfach mal ganz gemütlich sitzen und in Ruhe etwas dem Treiben zuschauen. Es ist ein tolles Gefühl, sich so treiben lassen zu können. Aber dann fragten wir uns, ob wir uns wirklich so treiben lassen können? Wir hatten bisher nur unser halbes Etappenziel erreicht, und bis wir nach Schotten Rainrod gelangen, lag noch ein schönes Stück Strecke vor uns. Wir suchten unser VV Zeichen und machten uns auf den Weg. Es war 15 Uhr geworden und wir hatten uns vorgenommen, vor 19.00 Uhr anzukommen. 15 Kilometer lagen noch vor uns, und eigentlich sollte das zu schaffen sein. Nach einem kurzen Blick in die Karte und einem Blick auf das Höhenprofil, bemerkten wir dass von Kilometer 9 auf 10 eine heftige Steigung auf uns wartete. Also weiter, und nicht Bange machen lassen. Der nächste Ort, durch den wir kamen war Friedrichshütte. Dieser Ort schien nur aus einer Fabrik und ein paar Häusern zu bestehen. Überall waren freundliche Menschen in Gärten oder im Hof zu sehen. Wir grüßten höflich zurück und gingen unseren Weg weiter in Richtung Gonterskirchen. Vor Gonterskirchen bogen wir rechts ab. Immer in Erwartung unseres Steigungsstückes. Also dachten wir, eine kleine Trinkpause kann nicht schaden. Unser letztes Brot wurde hier gegessen und heute hatten wir auch genug zu Trinken eingepackt. Wir waren sehr verwundert, denn hier, Mitten im Wald gab es scheinbar mehr Häuser, als in Friedrichshütte. Eine kleine Waldsiedlung hatte sich hier entwickelt. Mit Blick auf unsere müde werdenden Oberschenkel und Waden machten wir uns weiter. Und da kam sie, unsere erwartete Steigung. Nein, doch nicht. Wir hatten uns darauf vorbereitet, aber es war noch nicht so weit. Diese Steigung führte uns den Wald hinauf, auf einen wunderbar zu gehenden Waldpfad. Im Wald erreichten wir den höchsten Punkt der Steigung und es ging bergab. Und das nicht knapp. Es ging richtig weit runter auf fast 200 Meter über NN. Wir sahen, dass der Wald lichter wurde und waren aus dem Wald draußen, als uns plötzlich klar wurde, welche Steigung gemeint war. Wir waren im Tal und auf dem Berg lag Stornfels vor uns. Innerhalb von knapp einem Kilometer ging es wieder hoch auf über 300 Meter über NN. In unserem Reisekärtchen stand geschrieben: „wie ein Adlerhorst auf einem Vulkanschlot gelegen überblickt Stornfels das Land“ Und so kam es uns auch wirklich vor. Wir hielten kurz an und holten noch einmal tief Luft, bevor wir uns an den Aufstieg machten. Meter um Meter ging es nach oben. Und endlich hatten wir es geschafft. Aber wie nun weiter. Hier hatte man vergessen einen Markierungspunkt zu setzen. Aber da wir eh schon nach oben gingen und es nach Stornfels weiter bergauf ging, mussten wir durch diesen Ort durch. In der Gewissheit, nur noch wenige Kilometer von unserem Etappenziel entfernt zu sein, gingen wir fröhlich weiter. Die weitere Steigung machte uns kein Kopfzerbrechen. Wer diese Steigung geschafft hat, der braucht sich vor den folgenden nicht zu fürchten. Wir verließen den Adlerhorst und gelangten wieder in den Wald hinein, der uns noch von Rainrod trennte. Nach einer halben Stunde kamen wir aus dem Wald heraus und sahen links einen Ort liegen, den wir für Rainrod gehalten hätten. Jedoch führte uns das VV Schildchen erst noch einmal weg von diesem Ort. Und so machten wir einen kleinen etwa 2 Kilometer langen Umweg, bis wir nach Rainrod gelangten. Und das bitterste wäre gewesen, wenn uns der, als wir an unserer Übernachtungsstätte angelangt waren, einsetzende Regen noch erwischt hätte. Glücklich, durstig, hungrig und auch etwas müde betraten wir die Gaststube und wurden freundlich begrüßt von Frau Straub, der Wirtin des Hauses. Beim Abendessen trafen wir ein Paar aus der Nähe von Köln, welches uns erzählte, wie schön es doch hier bei uns sei. Sie würden diese Sechstagetour machen. Also dass, was wir in drei Tagen machen, laufen die Beiden in 6 Tagen. Wir hatten ein sehr nettes und unterhaltsames Gespräch, aber trotzdem überfiel uns die Müdigkeit. Gegen 21.30 Uhr kamen wir zur Ruhe.
Der 3. Tag
Der Morgen begann für uns um 7.00 Uhr. Ein Wecker kann gnadenlos sein. Aber wir hatten noch eine letzte Etappe vor uns. Und diese wollten wir heute schaffen. Es ging von Schotten Rainrod über Eichelsdorf Richtung Ziegelhütte weiter bis zu unserem Mittagsziel Gedern. Das waren knapp 20 Kilometer, die wir bis spätestens 13.00 Uhr erreicht haben wollten. So beratschlagten wir es zumindest beim Frühstück. Hier trafen wir auch noch einmal unsere Kölner Freunde, die uns von einer teilweise schlechten Markierung des Weges zwischen Gedern und Volkartshain erzählten. Wir dachten, dass es nicht so schlimm sein kann, denn das ist ja schon fast wieder bei uns zu Hause und da kennen wir uns aus. Nachdem wir ausgecheckt hatten, ging es um kurz vor 9.00 Uhr weiter auf unserer Tour. Unser Weg führte uns zuerst mit einem leichten Gefälle nach Eichelsdorf, bevor es wieder einmal klar wurde, dass wir hoch auf den Vogelsberg mussten. Bis Gedern mussten wir Rund 130 reine Höhenmeter bewältigen. Dass wir einen großen Teil dieser 130 Meter schon nach 3 Kilometern bezwingen mussten war uns nicht so bewusst. Aber wir haben während des Laufens immer wieder festgestellt, Bergauf lässt es sich angenehmer Laufen als Bergab. Also kein Problem. Nach Eichelsdorf, ging es weiter über Streuobstwiesen und am Waldrand vorbei. Links unten sahen wir immer wieder einen uns sehr bekannten Ort. Rainrod. Wir hatten eine Schleife um Rainrod gelaufen und konnten uns auch das Lachen nicht ganz unterdrücken. Weiter ging es durch das Niddatal. Ruhe und eine solche Landschaft sind es, die einem träumen lassen. Und immer wieder kam mir ein Leitspruch in den Sinn. „Der Körper walkt, die Seele baumelt“. Über die Nidda führte uns eine kleine Betonbrücke, die nicht viel breiter als ein halber Meter war. Romantik pur. Weiter ging es an großen Viehweiden vorbei in Richtung Ziegelhütte. In der Ferne konnten wir schon Glashütten sehen und auch Steinberg war schon ausmachbar. An Glashütten gingen wir vorbei und ließen es rechts liegen. Der nächste Ort, den wir streiften war Steinberg. Ein kleiner Ort, der trotz der fast schon Mittagszeit in einer angenehmen und beruhigenden Stille lag. Einzig ein Pferdefreund fuhr mit seinem Fahrzeug ein Wasserfass auf die Weide. Bis nach Gedern war es nicht mehr weit. Aber einen kleinen Platz zum Ausruhen gab es noch. Er war zwar schon kurz vor Steinberg, aber ausruhen mussten wir uns trotzdem dort. Viel zu einladend wirkte diese Ruhebank auf uns. Eine feine Sache dachten wir uns, das muss man genießen. Ein wunderschöner Blick in die, vor einem liegende Wiesenlandschaft und im Hintergrund das zwitschern der Vögel, die ihr Morgenlied scheinbar wegen uns in die Mittagszeit verlegt hatten. So eine Bank, da waren wir uns beide ziemlich sicher, so eine Bank, brauchen wir auch. Einige Zusatzbilder später und nach einigen Blicken, die uns Aufschluss über den Aufbau und die wichtigen, zu beachtenden Montageeinzelheiten brachten, nahmen wir einen Schluck aus unserer Flasche und gingen weiter. Und das war auch gut so, sonst wären wir wahrscheinlich nicht mehr am Ziel angekommen. Gedern und somit unsere Mittagsrast kam mit Riesenschritten auf uns zu. Leider führt der Weg viel zu selten wirklich durch eine Ortschaft. Will man in einen Ort, muss man die Route verlassen. Wir wollten in einen Ort und verließen kurz vor dem Gederner See unsere Route. Großer Hunger und verwandtschaftliche Beziehungen trieben uns in die Metzgerei. Hier stärkten wir uns mit einer Riesenscheibe Leberkäse. Gertrud (die Besitzerin) und ich tauschten Familiengeschichten aus, und danach machten wir uns weiter. Aber trotzdem fehlte uns noch irgendwie ein warmes Getränk, weshalb wir auch an einem kleinen aber sehr nett eingerichteten Cafe nicht vorbei kamen. Aber da es eh auf unserem Weg zum Segelflugplatz lag, war es nicht weiter dramatisch. Und zudem waren wir ja nicht auf der Flucht. Wir waren wieder auf dem Weg. Der Segelflugplatz lag momentan ungenutzt vor uns, und wir liefen weiter in Grobrichtung Burkhards. Nach dem Überqueren der Kreisstrasse hörten wir in der Ferne ein leichtes Grollen und auch erste Regentropfen machten es sich auf unserer Haut bequem. Also, bevor wir uns nass regnen lassen, rein in die Wind- und Regenjacke. Die Jacken waren an und wir liefen gegen das Wetter gerüstet weiter. Nach ca. 1 Kilometer fühlten wir uns vom Wetter veralbert. Kaum hatten wir nämlich unsere Jacken an, schloss der Himmel seine Schleusen und wir wurden nur von innen nass. Also Jacken wieder aus. Burkhards, Kaulstoß und Sichenhausen blieb links neben uns liegen und wir liefen weiter in Richtung Alte Burg. Von unserer Rast in Gedern bis hin zur Alte Burg war eine beträchtliche Steigung zu überwinden. Etwas mehr als 300 Meter über NN in Gedern und dann 617 Meter über NN das war schon beachtlich. Aber wir kamen immer näher an unser Zuhause. Unser nächstes Ziel war das Völzberger Köpfchen. Auf dem Weg dorthin mussten wir durch Volkartshain. Und noch ein beträchtliches Stück durch den Oberwald. Und nun kam das, was wir als fast schon Zuhause angekommenen für unmöglich gehalten hatten. Wir folgten der VV Beschilderung, und dann gab es nichts mehr. Keine Beschilderung, kein Hinweis, nichts mehr. Jetzt wussten wir was unsere Kölner Walker gemeint hatten. Ein Wermutstropfen, den die Vogelsberg Touristik bestimmt abstellen kann. Denn für Ortsfremde wird es schwer sich weiter zu orientieren. Wir liefen in Richtung Autolärm. Einen anderen Weg um nach Volkartshain zu kommen ohne die Strasse zu überqueren, kannten wir nicht. 500 Meter Vulkanradweg und plötzlich sahen wir auch wieder unsere VV Hinweisschilder. Na, dann kann es ja weiter gehen. Nachdem wir die Strasse überquert hatten erreichten wir 2 Kilometer später den Ortsrand von Volkartshain. Nun spürten wir die Nähe zu unserem Ziel schon. Wir erreichten das VölzbergerKöpfchen und hatten nach einem kurzen Waldstück auch schon den Kirchturm von Crainfeld vor Augen. Unser Ziel und unser Zuhause. Die letzten Kilometer lagen vor uns, und wir ließen noch einmal die ganze Tour Revue passieren. Von unserem ersten Tag, der im Regen endete. Unser zweiter Tag, der eine wundervolle Steigung nach Stornfels hatte und unser dritter Tag, der feucht startete und uns wieder zurück in den Hohen Vogelsberg führte. Die letzten 1,5 Kilometer waren zu gehen. Eine Steigung überwanden wir und wir wollten beide nicht als Zweiter oben ankommen. Wir trieben uns an und mein Garmin zeigte mir an, dass wir die Steigung mit einer Geschwindigkeit von 8,2 Km/h gingen. Jetzt ging es bis Crainfeld nur noch bergab. Noch 200 Meter und wir verließen den Vulkanring. 124,8 Kilometer und etwas mehr als 15000 kcal Verbrauch später hatten wir unsere Tour nach 20 Stunden und 17 Minuten reiner Laufzeit beendet. Das entsprach einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 6,2 km/h.
Diese Strecke zu gehen, war ein lange gereifter Wunsch. Es war für uns eine schöne Erfahrung. Wir haben eine tolle Landschaft gesehen, freundliche Menschen kennen gelernt, und immer wieder gemerkt, dass man nebeneinander gehen kann und es trotzdem nicht langweilig wird. Wenn wir nicht gewusst hätten, dass wir im Vogelsberg sind, hätten wir auch genauso gut denken können wir wären im Harz, in der Eifel oder auch im Fichtelgebirge. Ich glaube dass uns solche Erfahrungen und Touren eigentlich den Sinn schärfen, das schöne auch in unserer Nähe zu sehen.
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